Im Solent unterwegs…

….das ist kein Kindergeburtstag. Permanent müssen wir aufmerksam sein. Hier wimmelt es von Frachtern, Fähren, Regatten und zig Motorbooten. Sogar die Queen Mary 2 ist heute mal wieder aus Southampton ausgelaufen und hat mit uns allen den Solent passiert.Viel Sonne und 14 kn achterlicher Wind haben uns zügig ans Ziiel gebracht. Nun ankern wir im Chichester Habour. Kostenlos – auch mal schön!!

Solent / Isle of Wight

Der Solent ist eine Meeresenge zwischen Südengland vor Southampton und der Isle auf Wight. Es wird dem Segler alles geboten, was er sich so wünscht 😉. Über 4 Meter Tidenhub, bis zu 4 Knoten Strom, viel Schiffsverkehr und ne anspruchsvolle Navigation. Hier heißt es die Bedingungen realistisch einschätzen, gut planen und trotzdem flexibel sein. Da die Gezeitentabelle unseren Fahrplan vorgibt, sind wir froh, dass es im ganzen Solent eine tolle Infrastruktur gibt. So können wir in kleinen Tagesetappen gen Osten segeln.
Seit ein paar Tage sind wir nun auf der Isle of Wight bei grösstenteils bestem Wetter. Wir liegen in der Marina in Yarmouth und erkunden von hier mit dem Bus die Insel. Die Süd- und Westküste hat spektakuläre Küsten zu bieten, wir sind beeindruckt.

Go East

Viel viel Sonne, aber null Wind. Wir starten dennoch heute Richtung Osten, denn wir möchten Wilhelmshaven gerne vor dem Wintereinbruch erreichen.Wir motoren die 24 sm in die Studland Bay um dort zu ankern und morgen weiter zur Isle of Wight zu MOTOREN. Wind ist nicht ….und wird auch bis Donnerstag nicht sein.
Die Fahrt entlang der südenglischen Küste ist bei dem Traumwetter traumhaft. Zur Unterhaltung begegnet uns die Formel 1 auf dem Wasser. Fünf Rennboote kündigen bereits im Abstand von 2 km laut dröhnend ihre Ankunft an und zischen an uns vorbei, denn hier gibt es kein „fucking speed limit“.
Als wir die Ankerbucht erreichen, sind wir erstmal überrascht. So hatten wir uns das nicht vorgestellt. Mehr als 150 kleine und grosse Boote liegen hier vor Anker. Es geht zu wie auf dem Jahrmarkt. Alles was schwimmt ist auf dem Wasser und bewegt sich durch die Bucht.. Von der Luftmatratze über Jetski bis zum hochmotorisierten Motorboot. FantaSea schaukelt ordentlich hin und her und wir müssen beim Baden auf unsere Köpfe aufpassen.

Foto: zum Glück keine Eisberge, sondern ein Teil der südenglischen Küste.

Weymouth

Von Dartmouth fahren wir die 55 Seemeilen nach Weymouth. Dabei müssen wir das „Portland Race“ passieren, ein Gebiet mit sehr starken und gefährlichen Strömungen, wenn man zur falschen Zeit dort ist. Es galt also sehr genau zu planen und es hat bestens gepasst. Mit kleinster Segelfläche sind wir mit Wind und Strömung ums Kap der „Isle of Portland“ gerast. Da wir erst nach Sonnenuntergang vor Weymouth angekommen wären, haben wir die Nacht in Portland Harbor geankert und sind am nächsten Morgen in den Hafen Weymouth gefahren (Bild). Wie schon vor 4 Jahren sind wir von der Szenerie hier begeistert. Der Ort versprüht Charme und bietet alles was man von einem südenglischen Ort erwartet: Typische alte Architektur mit Geschichte, gemütliche Pubs, Restaurants und Geschäfte aller Art. Weymouth ist auch ein Badeort. Jetzt zur Urlaubszeit ist der Ort ausgebucht und sehr belebt, der Strand völlig überfüllt. Scheinbar schert sich hier niemand um Luft-und Wassertemperaturen. August ist eben Sommer und im Sommer ist man am Strand. Basta!

Sommer

Nachdem es am Sonntag fast den ganzen Tag geregnet hat, kam heute endlich gegen Mittag die Sonne wieder durch. Mit dem Bus waren wir in Kingsbridge. Die Fahrt mit dem Doppeldecker ist ein einziges Abenteuer. Schmale Straßen wo der Gegenverkehr erst mal rückwärts ausweichen muss, Baumäste die im 1. Stock des Busses immer wieder heftig gegen die Scheiben knallen, und Ausweichmanöver des Busfahrers an nicht befestigten Abgründen. Die Strecke führt uns weiter durch das grüne leicht bergige Devon, vorbei an der südenglischen Küste mit langen Stränden. Kingsbridge selbst ist klein, fein und hat natürlich eine riesige Kathedrale geschmückt mit uralten Grabsteinen.
Zurück in Dartmouth geniessen wir den Nachmittag und vor allem das Wetter und die Temperaturen um 23 Grad 😵.
Wie lange der Sommer wohl anhält?

Dartmouth – Kreis geschlossen !

Bei besten Segelbedingungen und Sonne (!) segeln wir die 36 Seemeilen nach Dartmouth. Ein tolles Deja-vu. Hier kreuzen wir unser Kielwasser vom 25.06.2013. Damals sind wir von hier nach Frankreich gefahren. Die atlantische Runde ist damit komplett. Seitdem sind wir 15.397 Seemeilen gefahren und haben 36 Länder und unzählige Inseln besucht. Wir sind sehr zufrieden und freuen uns, an diesen schönen Ort zurückzukommen.

Plymouth und der britische Zoll

Fast eine Woche sind wir nun in England. Und nicht nur das Wetter ist hier anders, sondern vieles mehr. Z.B. ist der Besitz und die Einfuhr von Pfefferspray strengstens verboten (hätten wir das gewusst, hätten wir es vorher im Meer versenkt. Hätte….) Über 1,5 Stunden saßen 4 Zollbeamte hier in Plymouth in unserem Cockpit und machten uns klar, dass wir ein ersthaftes Problem hätten, da wir in Besitz von gleich 2 mal Pfefferspray waren. Telefonate mit Vorgesetzten auf zwei weiteren Ebenen wurden geführt um zu klären, dass wir nicht mit krimineller Absicht nach Plymouth gekommen sind. Formulare, Rechtsbelehrungen und ein Protokoll folgten. Endlich, um kurz vor 19 Uhr kommt telefonisch „von ganz oben“ das O.K. Das Pfefferspray wird konfisziert und wir werden nicht inhaftiert. Ob der MI6 die Finger im Spiel hatte?

Dann sind da noch mehr fremde Eindrücke: Wassertemperatur 17 Grad – ist nichts für Warmduscher und Weicheier, Kirchen gehören der Vergangenheit an, hier gibt es Kathedralen, Fast Food Nummer 1 ist „Fish and Chips“ und aus den Lautsprechern in den Geschäften hören wir nicht mehr Shakira, Bob Marley und Sushine Reggae. Scheinbar haben die Engländer eine Vorliebe für Oldies von ihren 70-Jahre erfolgreichen Bands. So lassen wir uns von T-Rex, Bay City Rollers und Sweet beschallen. Fehlt nur noch der Super-Softener Roger Whittaker 😜.

Die wunderschöne Küste von Cornwall

Falmouth

Wir geniessen Falmouth und das südenglische Flair mit seinen engen Gassen, Pubs, Shops und Cafés. Hunderte Segelyachten im Fluß Fal sorgen für eine maritime Atmosphäre. Hier ist Urlaubszeit und gleichzeitig die „Falmouth Week“. Der Ort ist voll mit Touristen, die allerdings vergeblich auf den Sommer warten. Die Temperaturen hier in Südengland sind für uns kaum erträglich und es regnet immer wieder. Nachts fällt das Thermometer bis auf 12 Grad🌨.

Wir besuchen englische Freunde, die wir vor 3 Jahren auf unserer Fahrt in die Karibik mehrfach getroffen haben. Sie betreiben ein Hotel http://roseinvalehotel.co.uk , in das sie uns einladen. Dort werden wir sehr komfortabel untergebracht und königlich bewirtet. Die Wiedersehensfreude ist riesig 😃.

Seetag 11

Geschafft! Atlantikquerung von Stuart / Florida nach Falmouth / UK. Nach 4350 sm (8048 km) ist die Freude bei der Crew groß. Mit Sonnenschein werden wir im Brexitland empfangen. Die Küste Cornwalls sehen wir an unserer Backbordseite, ansonsten ist hier mächtig viel Schiffsverkehr, d.h. noch mal gut konzentrieren auf dem letzten Stück.
Erst ab 17 Uhr können wir die Schleuse zur Port Pendennis Marina passieren, denn Hoch- und Niedrigwasser bestimmen hier den Tagesablauf, aber wir sind zuversichtlich, dass wir es bis zum Dunkelwerden noch in einen englischen Pub schaffen 😀.

Tagesetmal: 143 sm ( 29 Stunden)

Fotos von Sao Miguel /Azoren sind im Album.

Seetag 10

Das launische Aprilwetter wurde gestern Nachmittag abgeloest von einem Starkwindgebiet mit konstanten 27 kn in Boen bis 34 kn.
Da ging hier die Post ab. Zuerst mal reffen was geht, d.h. Segelflaeche verkleinern, und dann sich in Sicherheit bringen wegen der Regenschauer, Salzwasserduschen und Schiffsbewegungen. Dann war da noch das laute beaengstigende Knallen – wir waren unter Dauerbeschuss der Wellen. Sehr frueh am Abend haben wir uns dann von der Aussenwelt abgeschottet, zum Glueck koennen wir die Navigationsinstrument auch von innen beobachten. Wir waren mehr oder weniger zum Nichtstun verurteilt und haben auf unserem Sofa (in Lee) abgehangen, der sicherste Platz im Schiff.
Die ganze Nacht blieb es extrem ruppig. Immer wieder gab es, durch Wellen verursacht, heftige Erschuetterungen wobei sich die Salzwasserduschen im Cockpit ergossen. Und mal wieder steuerte unser Eddi (Autopilot) FantaSea souveraen durch die raue See. Wir sind froh, dass FantaSea aus Stahl ist !! 😉
28 Stunden spaeter geht der Wind langsam runter, die hohen Wellen werden uns leider noch ne Weile begleiten.

Tagesetmal 115 sm
Position 1100UTC 49Grad19’N – 008Grad08’W