Aufbruch

Um es kurz zu machen, das Schiff wird hier in den USA nicht verkauft. Die Interessenten sind leider abgesprungen. Positiv: wir können die nächsten 3 bis 4 Monate noch segeln und auf dem Schiff leben.
Wir sind bereit und starten morgen die 900 bis 1000 sm zu den Bermudas. Oder doch direkt zu den Azoren? Der ungebrochenen Mythos ums Bermuda Dreieck beflügelt auch unsere Phantasie. Gibt es dort eine Verschwörung von Außerirdischen die seit Jahrzehnten auf geheimnisvolle Weise Flugzeuge und Schiffe verschwinden lässt, oder ist es ein Seeungeheuer oder Monsterwellen? Oder waren es einfach nur tragische Unfälle und eine Menge Seemannsgarn ? Letzteres wollen wir mal glauben.

Wir sind froh, dass es nun endlich losgeht, denn nicht nur die psychische Anspannung macht uns mürbe. Hier ist seit 2 Wochen eine Hitzewelle mit 34 bis 35 Grad täglich. Wir fühlen uns gut durchgegart 😩 und bereit zum Aufbruch.
Gestern Abend war hier noch ne Potluck-Barbecue-Party mit leckerem Essen und vielen netten Menschen. Als Langfahrtsegler sind wir hier Exoten, die meisten pendeln zwischen den Bahamas und USA /Kanada.
Sonnige Grüße von der FantaSea.

Eigentlich….

….wollten wir am letzten Donnerstag Richtung Bermudas starten. Wir geniessen einen letzten Sunset in der Sunset Bay Marina. Alle Arbeiten sind erledigt, alles organisiert, eingekauft und verstaut. 100 Müsliriegel, 20 Packungen Vollkornbrot, 150 Dosen Cola, 12 l Orangensaft, 5 kg Müsli, Nudeln, Reis, Dosenfutter, Shampoo, reichlich Pflaster, Kosmetikartikel usw. Nun noch zur Tankstelle. Auf den 150 Metern dorthin merken wir, dass „fast nichts mehr geht“. Gashebel nach vorn, aber fast kein Speed. Der Grund ist, nach 4 Wochen im schmutzigen St. Lucie River ist FantaSea voll mit Seepocken und diese bremsen uns aus. Im Schneckentempo erreichen wir die Tankstelle und tanken voll, was sonst. Wir haben ja „Größeres“ vor. Aber Donnerstag wird das nichts, dass ist uns schon klar. Also checken wir Donnerstag den ganzen Tag was möglich ist. Ein Taucher wird für Freitag zur Unterwasserreinigung bestellt und mehrere Boatyards abgeklappert, um evtl. das Schiff noch einmal aus dem Wasser zu heben und mit Antifouling zu streichen. Das bedeutet aber kostbare Zeit, viel Arbeit und hohe Ausgaben. Wir sind nicht begeistert.
Dann erhalten wir Donnerstag Nachmittag den Kontakt eines Kaufinteressenten, der sich am nächsten Tag FantaSea ansehen möchte. O.k., ist ja alles schick und vorbereitet für den großen Törn. Dale und Mary kommen pünktlich und sind „nicht abgeneigt“. 24 Stunden später möchten sie das Schiff gerne kaufen. Why not??? Natürlich sind da noch viele Fragen. Dale klettert gleich 2 mal ungesichert in den Mast und prüft alles was geprüft werden muss. Morgen steht ein Probesegeln an, Dienstag gehts zu den Offiziellen um zu erfahren was getan werden muss, um FantaSea in die USA zu importieren, danach Check des Unterwasserschiffes usw.
Wir sind gespannt, wie sich alles entwickelt.

Florida Fotos stehen im Album bereit.

Alltag in Stuart

Es gibt viel zu tun. Ob es reicht, und ob wir an alles denken bevor wir hier den weiten Weg nach Hause starten wird sich rausstellen. Fakt ist, wir tun unser Bestes, was da wäre:  mehrmaliges Ein – und Ausbauen der Wasserpumpe aus den Tiefen des Motorraumes um endlich das Leck zu finden und zu reparieren, WC-Pumpe auswechseln, Schiff entrümpeln um Platz für die Vorräte zu schaffen und alles reinigen, Bestandsaufnahme der vorhandenen Vorräte, Einkaufsliste für 7 Wochen erstellen und mit dem Leihwagen bei ALDI und Walmart alles ranschaffen. Wobei das Einkaufen keine Kunst ist, sondern das Verstauen auf FantaSea der Kraftakt. Ach ja, das Deck wird zum Teil mit Sika neu verfugt (Strafarbeit), Flugrost an allen Niroteilen entfernt, kleine Roststellen bearbeitet, ein neuer Kompass für den Autopiloten wird eingebaut, die Kühlschranktür abgeschliffen, damit sie wieder richtig schließt (hört sich nach einer Kleinigkeit an, hat aber fast 2 Stunden beansprucht), diverse Kleinigkeiten, die uns das Leben auf hoher See erleichtern sollen werden erledigt und natürlich den Blog „füttern“.  Zur Unterhaltung diesmal eine knapp 20 -minütige musikalische Diashow mit kleinen Videos.

Zum Glück bleibt gelegentlich  Zeit um an den Atlantik zu radeln und in der Brandung zu baden.

 

9000 Kilometer

…sind zu segeln bis Wilhelmshaven. Das ist kein Pappenstiel, auch wenn wir das nicht nonstop machen wollen. Wenn wir dort im September ankommen wollen, müssen wir Ende Mai hier in Stuart ablegen. Hier ablegen? Das wird uns schwer fallen, denn wir fühlen uns hier sehr wohl. Bei den Wetterberichten aus Deutschland zieht es uns auch nicht gerade dorthin, denn im September wird der „Sommer“ sicher gelaufen sein und wir müssen uns auf arktische Temperaturen (unter 20 Grad) einstellen. Gruselig👻!

9000 Kilometer? Bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 8 km/h wären das 1125 Stunden Fahrzeit. Jawoll! Das wären ca. 47 Tage, also fast 7 Wochen. Zum Glück gibt es so reizvolle Zwischenstationen wie die Bermudas oder die Azoren, die wir auf jeden Fall besuchen wollen.

Bis es los geht sind noch ein paar Baustellen auf FantaSea zu erledigen. Langweilig ist es nie und wenn eine Baustelle erledigt ist, kommt garantiert eine Neue dazu 🌩

Das Bild zeigt unsere Marina im St. Lucie River bei Stuart. Bis zum offenen Ozean sind es 7 Seemeilen durch den flachen ICW (Intra Coastal Way).

Unterwegs in Florida

In 3 separaten Touren fahren wir nach Miami, Tampa und die Atlantikküste ein Stück gen Norden. Mangels eines guten Navis verfahren wir uns regelmäßig an den großen Autobahnkreuzen. Einmal nicht aufgepasst und wir befinden uns auf dem „Florida Turnpike“, einer Expressautobahn. In dünn besiedelten Gebieten kann es passieren, dass die nächsten 100 km keine Abfahrt kommt. Diese Erfahrung mussten wir machen und schwups waren wir kurz vor Orlando. Wir lassen Mickey Mouse und Onkel Dagobert rechts liegen und nehmen endlich Kurs auf Tampa. Leider war das nicht das einzige Mal, dass wir Umwege in Kauf nehmen mussten. Am Ende der Reise waren uns Autobahnkreuze ein Graus 😓.
Die Städtzentren in Miami und Tampa wirken auf uns ein wenig steril, null Müll auf den Straßen, alles ordentlich beschriftet, keine Graffitis usw. Tampa Downtown war an einem Mittwoch Vormittag wie ausgestorben, in Miami nicht viel besser. Das Gewusel welches wir aus deutschen Großstädten, oder aus Santo Domingo, Medellin, Cali usw. kennen gibt es nicht. Es gibt ja auch fast keinen Einzelhandel in den Zentren. Alles, aber auch alles findet man an den 4 — bis 6-spurigen Landstraße, Frisöre, Supermärkte, Fitnessstudios, Banken, Ärzte, Möbelgeschäfte, Nagelstudios, Fastfood, Schuhgeschäfte, Apotheken……Und dann gibt es natürlich die klimatisierten Einkaufszentren.
Interessant waren die Stadtteile „Little Havanna“ in Miami und „Ybor City“ in Tampa. Beide kubanische und Latino / Italienisch geprägt. Aber authentisch sind diese leider nicht mehr, da es für die Touristen ein Überangebot an Gastronomie gibt. Dank unserer vielen ungewollten Umwege sehen wir in Tampa auch arme Stadtteile mit einfachen Holzhäusern. Sind also doch nicht nur Millionäre in Florida unterwegs.

Das größte Vergnügen hier im Amiland ist für uns der Einkauf in den Supermärkten. Egal ob groß oder riesig, vom Parkplatz bis zur Kasse ist alle perfekt, der Service unbeschreiblich gut. In wenigen Minuten haben wir meistens alles erledigt und befinden uns wieder auf der Straße und müssen schwitzen – traumhaft 😉.